Bitterfelder Spatz vom 23. August 2009 (Text übernommen)
 
Hauptüberschrift – Säuft Zscherndorf ab?
 
Unterüberschrift - LMBV erklärt Sandersdorf-Brehnaer Ortsteil zur Chefsache
 
ZSCHERNDORF (um). SOS! Hilfe, wir saufen ab!

Wenn die Prognose stimmt, steht die Zscherndorfer Siedlung bald vollständig unter Wasser, unter Grundwasser. Drei Meter in eineinhalb Jahren, erzählt Wolfgang Henschel, habe er gehört, solle das Grundwasser ansteigen. Da werden einige Hausbesitzer nicht nur nasse Füsse und feuchte Keller bald ihr eigen nennen. Doch Wassergrundstücke mitten im Ort sind nicht das erklärte Ziel der Hausbesitzer. Sie begehren auf. Sie schlossen sich zu einer Interessengemeinschaft zusammen. Sie wollen sich verteidigen. Ihnen gegenüber steht die LMBV, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft. „Wir fordern eine nachhaltige Grundwasserabsenkung in der Zscherndorfer Siedlung", sagen die Hausbesitzer rund um Wolfgang Henschel, der einer von sechs Sprechern der Interessengemeinschaft ist. 1934 entstand die Siedlung - auf Ton und Abraum, den der Tagebau „Deutsche Grube" lieferte. Nach der Wende wurden die Pumpen in und um den Tagebauen in der Region abgeschaltet. Sie hatten jahrzehntelang den Grundwasserspiegel niedrig gehalten. Jetzt steigt allerorten das Wasser. „Mein Nachbar muss pumpen", verrät Henschel. Nachdem im März den Hausbesitzern aus der Siedlung von der LMBV drei Varianten vorgestellt wurden, die dem Wasseranstieg entgegenwirken sollen, grassiert die Wut in der Zscherndorfer Siedlung. Abpumpen, den Einbau sogenannter „Weißer Wannen" oder die Kellerverfüllung standen zur Debatte. Die LMBV bevorzugt die Kellerverfüllung. Gegen die Verfüllung ihrer Keller läuft die Interessengemeinschaft „Grundwasser Zscherndorf-Siedlung" Sturm. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft sammelten Unterschriften. Über 200 Hausbesitzer schlossen sich der Vereinigung an. „Über 80 Häuser sind vom Grundwasseranstieg betroffen", erklärt Wolfgang Henschel. Die Leute in der Siedlung seien total verunsichert, Ohnmacht breite sich aus. Außerdem hätten die Anwohner Angst, dass das ansteigende Grundwasser verunreinigt, kontaminiert sei. Henschel erklärt aber auch, dass die Hausbesitzer durchaus bereit seien bei einer Lösungssuche mitzuarbeiten. Bestätigen wollte Karin Franke, Pressesprecherin der LMBV nur, dass das Grundwasser in der Zscherndorfer Siedlung in nächster Zeit weiter steigen werde: „Auf alle Fälle." Die LMBV sei derzeit dabei, mehrere Varianten der Grundwasserabsenkung zu untersuchen und aufzubereiten. Der Bergbausanierer hat Zscherndorf nun zur Chefsache gemacht. LMBV-Boss Dr. Mahmut Kuyumcu wird am 31. August auf einer Vor-Ort-Beratung in Zscherndorf den derzeitigen Arbeitsstand in Sachen Grundwasserabsenkung erläutern.
 
Kommentar von Uwe Müller
 
Bis zur Bundestagswahl sind’s nur noch fünf Wochen!
Wähnten wir uns nicht in den vergangenen Wochen, Monaten, Jahren in trügerischer Ruhe, ob des Themas Grundwasseranstieg in unserer Region? Fast schien es endgültig vom Tisch, erledigt, finito! Gab's da nicht mal Proteste und wutschnaubende Bürger im Bitterfelder Bergmannshof/ Annahof und in der Bitterfelder Kraftwerkssiedlung, in Delitzsch oder in Jüdenberg? Die Gemüter hatten sich in letzter Zeit ziemlich beruhigt, da die Verantwortlichen mittlerweile ihrer Verantwortung scheinbar gerecht geworden sind, auch wenn vielerorts der derzeitige Sachstand noch nicht vollends befriedigen kann. Nun rückt der Sandersdorf-Brehnaer Ortsteil Zscherndorf in den Focus der Öffentlichkeit. Eine Interessengemeinschaft hat sich gebildet und Politiker aller Coleur haben ihre Unterstützung für die Hausbesitzer im Kampf gegen das ansteigende Grundwasser signalisiert. Wahrlich: Gut gewählt ist der Zeitpunkt, die Problematik wiederholt an's Licht der Öffentlichkeit zu zerren. Der Wahlkampf befindet sich in seiner heißen Phase und jeder Politiker wird jetzt noch glaubhafter versichern, dass er den Hausbesitzern beistehen werde. Den Zscherndorfer kann's nur recht sein! Doch siehe: am 27. September ist Bundestagswahl. Jetzt heißt es also sich zu sputen, um schnellstmöglich Ergebnisse zu produzieren.
 
Uwe Müller