Wochenspiegel vom 26. August 2009 (Text übernommen)
 
Hauptüberschrift – "Nein!" zur Kellerverfüllung
 
Unterüberschrift - Das Grundwasser steigt in der Zscherndorfer Siedlung - tiefe Lagen besonders betroffen
 
Dr. Christoph Bergner informiert sich über die Grundwassersituation.

Zscherndorf (rg). Als die Häuser in der Zscherndorfer Siedlung Mitte der 30er Jahre gebaut wurden, war Grundwasser kein Problem. Die Wasserhaltungen der Braunkohlengruben der Umgebung sorgten dafür, dass der Pegel sehr niedrig blieb, auch z.B. in der Melanchthonstraße, wo es selbst bei den Häusern, die in einer Senke liegen, keine Probleme gab. Seit einigen Jahren ist nun alles anders. Der Kohleabbau ist passe', eine Wasserhaltung damit nicht mehr erforderlich. Nun steigt der Grundwasserspiegel seit Jahren wieder an. Erst in Bitterfeld und nun auch in Zscherndorf dringt das Grundwasser langsam in die Keller der tieferliegenden Häuser ein. Walter Sängerlaub hat sich schon selbst geholfen und seit einigen Jahren eine Pumpe installiert, die seinen Keller bisher ziemlich trocken hält. Bis 2010 wird aber von der LMBV ein Anstieg des Grundwasserpegels auf eine Höhe prognostiziert, wo seine Pumpe nichts mehr ausrichten kann. Sein Keller würde mindestens einen Meter unter Wasser stehen. Seine Frau Elfriede ist fassungslos. Ihre Eltern hatten 1934 das Häuschen gebaut, sie ist hier geboren und aufgewachsen. Später mit ihrem Mann hat sie das Werk ihrer Eltern fortgesetzt, das Haus modernisiert und alles tiptop instandgehalten - und nun das! Als Lösung hat die LMBV eine Verfüllung der Keller ins Auge gefasst und ist dabei, dies im Detail zu prüfen. Damit wollen sich Elfriede und Walter Sängelaub und auch zahlreiche andere Betroffene in der Siedlung nicht abfinden.
 
Als ihnen im März 2009 auf einer Veranstaltung mit der LMBV dies offeriert wurde, hat sich eine Interessengemeinschaft "Grundwasser Zscherndorf-Siedlung" gegründet. Wolfgang Henschel ist einer der ihrer Sprecher und er informierte in der vergangenen Woche den Bundestagsabgeordneten (CDU) und parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, DR. Christoph Bergner, vor Ort über die Problematik. Unterstützung erhielt er dabei vom Bürgermeister von Sandersdorf-Brehna, Andy Grabner, und vom Landtagsabgeordneten (CDU), Lars-Jörn Zimmer. Waren es 2007 noch 37 Häuser, sind inzwischen mehr als 80 Häuser vom Grundwasser bedroht. "Wenn die Grundmauern unserer Häuser im Wasser stehen, sind weitere Bauschäden vorprogrammiert, hohe Wertverluste bei Grundstück und Haus müssen wir hinnehmen", kritisiert Henschel die Option Kellerverfüllung. Auch wären die Schäden für die Infrastruktur, z.B. Kanalisation u.a. nicht absehbar. Mit der LMBV sei man in Kontakt. Dort werde derzeit die Verfüllung der Keller als kostengünstigstigtse Lösung geprüft. "Wir wollen nicht kostengünstigstigtse Lösung sondern eine nachhaltige" betonte Grabner. Außerdem sei es ohnehin fraglich, ob bei der hohen Anzahl der Häuser eine Verfüllung der Keller wirklich billiger als eine entsprechende Wasserhaltung ist.
Bergner, der sich auch bei Sängerlaubs im Keller die Marken anschaute, versprach, sich der Sache anzunehmen. Riesige Dimensionen habe die Sanierung der Tagebaue angenommen und es sei viel investiert worden. Man müsse allerdings dabei auch auf kleinere Dinge achten, um nicht überrascht zu werden, so Bergner. Sicher sei hier nur eine politische Lösung möglich, denn rein rechtlich gehöre ja das Gebiet seit den 30iger Jahren nicht mehr dem Bergbau.
Auch der Landrat sei ein Verfechter vom langfristigen Abpumpen des Wassers, das auf Dauer wahrscheinlich billiger sei, wusste Zimmer und teilte mit, dass es diesbezüglich auch noch Gespräche mit dem Land geben würde.