Der Tagebau geht - das Grundwasser kommt

Eine "Bitterfelder Seenlandschaft" im alten Tagebaugebiet - die schöne Vision hat dunkle Flecken bekommen. Denn das Grundwasser, einst für die Kohlegewinnung abgepumpt, steigt recht eigenwillig wieder auf. Erobert sich sein Territorium zurück und nimmt keine Rücksicht auf Land und Bebauung. Mit der Ruhe ist es in einigen Wohngebieten der Tagebauregion Bitterfeld speziell in der Siedlung von Zscherndorf vorbei. In die Keller tritt Grundwasser ein und die Hauswände reißen. Die Ursache lauert im Untergrund und steigt immer höher.
 
Seit Ende des Bergbaus werden nicht nur die ehemaligen Tagebaue saniert. Auch unterirdisch kehrt das Wasser zurück, das über 16 Jahrzehnte für den Kohleabbau abgesenkt wurde. Bereits mit der Erschließung der Grube Auguste 1839 im Bitterfelder Revier mussten aufgrund des Grundwasserflurabstandes Wasserhaltungsmaßnahmen eingeleitet werden. Da sich der Abbau der Braunkohle im Tagebaubetrieb als wirtschaftlichste Variante herausstellte, wurden großflächige Absenkungsmaßnahmen notwendig, die im Einflussbereich der Tagebaue und Gruben eine nachhaltige Veränderung der hydraulischen Verhältnisse bis in die heutige Zeit bewirken. In unserer direkten Ortslage wurde 1847 durch die Gründung der Deutschen Grube mit dem Tagebaubetrieb begonnen, welcher bis 1933 fortgeführt wurde. Parallel mit der Kohleförderung wurde der Tagebau abschnittsweise wieder verkippt; im Flurbereich Zscherndorf wurde auf diesem Gelände ab 1933 mit der Erschließung als Wohnbaugebiet und mit der Bebauung begonnen. Die Grundwasserabsenkung kam im Revier Bitterfeld 1993 endgültig zum Stillstand. Zu bemerken ist ebenfalls, dass über den gesamten Zeitraum durch die anliegenden Industriebetriebe, Kraftwerke und Brikettfabriken Rohwasser gefördert und verbraucht wurde.
 
Bei der Bebauung des Siedlungsgebietes wurden damals wie heute keinerlei Schutzvorkehrungen bezüglich eines möglichen Grundwasseranstieges unternommen. Für uns ist nicht nachvollziehbar, dass mit der Einstellung der Grundwasserabsenkung und Flutung der Tagebaurestlöcher in keiner Weise Maßnahmen zur Abwehr möglicher Gefahren für das Territorium getroffen wurden - dies gilt nicht nur für den Bereich Zscherndorf/Siedlung sondern auch für alle anderen Regionen im Revier Bitterfeld.
 
Nachdem wir mehrfach bei der örtlichen Verwaltung auf die Grundwasserbelastung hingewiesen haben, trat auf unsere Initiative hin 2006 die LMBV auf den Plan. Nach ziemlich 3 Jahren der Untersuchungen und Studien wurde uns im März 2009 offenbart, dass die einzige gangbare Lösung zum Schutz der Gebäude die Aufgabe und Verfüllung der Keller ist.
 
Diese Maßnahme wird von den Betroffenen nicht akzeptiert, da nicht das eigentliche Problem beseitigt wird, denn das Grundwasser bleibt. Zu beachten ist dabei, dass der prognostizierte Grundwasserpegel teilweise Geländebereiche überfluten wird, bzw. zwischen 0,2 und 0,8 m unter der Geländeoberkante stehen wird.
 
Wir fordern wirksame Schutzmaßnahmen für unsere Gebäude und Gesundheit durch sofortige Grundwasserabsenkung. Getragen wird diese Forderung der Betroffenen, welche sich in einer Interessengemeinschaft zusammen gefunden haben. Da wir weder durch die Gemeinde noch durch die LMBV Unterstützung erwarten können, sind wir zum offenen Protest übergegangen.
 
Das Grundwasser wird uns nicht so schnell zur Ruhe kommen lassen. Wie im Beitrag des Mitteldeutschen Rundfunks vom Sprecher der LMBV Uwe Steinhuber eindeutig zum Ausdruckt gebracht wurde, ist man nicht bereit den Grundwasserpegel zu senken.
 
Wir zitieren Herrn Steinhuber: "Es ist kein Vorfluter in der Nähe. Es ist nicht bezahlbar dort eine große Pumpenanlage großräumig zu installieren".
 
Anmerkung: Die LMBV kennt bzw. will das Umfeld nicht kennen. Ein brauchbarer Vorfluter ist in ca. 1 km Entfernung vorhanden. Eine weitere Möglichkeit bietet die Pumpenanlage in einer Entfernung von ca. 2 km, welche den Wasserstand im Tagebau Köckern auf ein bestimmtes Niveau hält.
 
Auf den Punkt gebracht hat es Herr Frank Esters, Präsident des Landesamtes für Bergwesen Sachsen.
 
Wir zitieren Herrn Esters: "Die Deutsche Grube hat keinen Rechtsnachfolger. Die natürlichen Grundwasserverhältnisse stellen sicht jetzt wieder ein und dieses ist kein Bergschaden".
 

Übersetzt; man läßt uns im Regen stehen.


 
Es gibt in vielen Regionen ähnlich gelagerte Probleme. Aus Spreetal stammt diese Seite:
www.wasser-im-keller.eu, schaut ruhig mal rein.

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